Bonanzarad

Eine eigene Kategorie von Kinderfahrrädern ist das Bonanzarad.
Der Begriff Bonanzarad war einmal ein Markenname, später wurden dann auch Fahrräder so genannt, die diesem nur ähnlich sahen. Das Bonanzarad erfreute sich bei Kindern in vielen Ländern der Erde großer Beliebtheit. Entwickelt und gebaut wurde das Bonanzarad 1960 erstmalig an der Westküste der USA. Es war der Anstoß für einen regelrechten Boom, der ungefähr 1970 auch auf Europa und damit auch auf Deutschland über schwappte. Jeder Junge, der etwas auf sich hielt, musste und wollte so ein Bonanzarad haben.

Das besondere an dem Bonanzarad ist das eigenwillige Aussehen. Es hat einen überdurchschnittlich langen, schlanken Rahmen, kleine Räder und einen sehr hohen Lenker. Die Vorderradgabel ist mit Spiralfedern bestückt, so dass man den Eindruck gewinnt, es handelt sich um eine Federgabel, aber leider war es nur eine Imitation. Das Aussehen erinnert entfernt an einen zu klein geratenen Motorrad-Chopper.  Das Bonanzarad war mit einem langen, schmalen Sattel ausgestattet, der „Bananensattel“ genannt wurde. Am hinteren Teil des Sattels war eine hohe Rückenlehne angebracht, an der oft ein Fuchsschwanz oder etwas ähnliches im Wind flatterte. Etwas ganz besonderes war die Dreigang-Nabenschaltung von Sachs, der Schaltknüppel dafür war auf dem oberen Teil des Rahmens angebracht und ragte zwischen den Oberschenkeln des Fahrers in die Höhe. Bei Kindern war das Bonanzarad in den 70er Jahren ein regelrechtes Statussymbol, es war mit viel Chrom versehen und oft wurde es noch individuell aufgepeppt.

In Deutschland wurden die Bonanzaräder von 1968 bis 1977 von der Firma Kynast gebaut und von Neckermann vertrieben. Die Fahrräder galten nicht als die zuverlässigsten, viele Bonanzaräder hatten Mängel, außerdem waren sie relativ schwer. Dennoch gab es 1977 in Moers eine Weltmeisterschaft für besonders begabte Piloten von Bonanzarädern. In den 80er Jahren wurden das Bonanzarad dann abgelöst vom BMX-Rad, es war zuverlässiger, robust, leicht und sehr wendig.